Mittwoch, 12.12.2018

Sondersammlung

Volksliedsammlung Albert Brosch

Albert Brosch wurde 1886 in Oberplan/Böhmerwald, Adalbert Stifters Heimat, geboren. Wie sein Vater und Großvater erlernte er das Uhrmacherhandwerk.

1903, als er noch Lehrling war, las er in einer Wiener Zeitung einen Aufruf Dr. Josef Pommers: ,,Sammelt Volkslieder!"

Sofort von der Sache begeistert, schrieb er alle Lieder auf, die er kannte, dann mussten ihm seine Mutter und Bekannte weitere Lieder vorsingen. Das Resultat schickte er nach Wien, wo er nicht nur aufgemuntert wurde, weiter zu sammeln, sondern auch die von Pommer ausgearbeiteten wissenschaftlichen Grundlagen einer solchen Sammeltätigkeit erhielt.

Brosch machte sie sich zu eigen, und so stand sein Tun von vorneherein auf einem hohen Niveau. Weiter gefördert wurde er von Prof. Adolf Hauffen in Prag und seinem Schulkameraden Gustav Jungbauer, der sich als Wiener Student ebenfalls schon diesem Gebiet zugewandt hatte.

Als Brosch nach dem Ersten Weltkrieg nach Eger kam und sich selbständig gemacht hatte, wandte er sich den Egerländer Volksliedern zu. Obwohl dort schon 1816 eine Sammlung entstanden war, der bald weitere und umfangreichere folgten, so dass Brosch schon glaubte, hier nichts mehr finden zu können, stand ihm noch ein weites Feld offen. Mit wissenschaftlicher Akribie sammelte er weiter, nicht nur Volkslieder, auch das übrige mündliche und schriftliche Volksgut.

Eine völlig einzigartige Gelegenheit bot sich ihm, als während des Zweiten Weltkrieges deutsche Umsiedler aus dem Osten vorübergehend in Lagern des Sudetenlandes untergebracht wurden. Ihre Vorfahren brachten einst aus der alten Heimat ihr Kulturgut mit und bewahrten es in ihren Kolonien und Sprachinseln unverfälscht, während daheim vieles vermischt, vermengt oder gar vergessen wurde. Die Zeit drängte, denn diese Umsiedler wurden bald weitergeschickt in den Warthegau. 1945, beim Durchbruch der Russen, wurden die, die sich retten konnten, in alle Winde verstreut.

Nach Kriegsende drohte in Eger der ganzen Sammlung Broschs der Untergang. Es gelang je-doch, fast alles über die Grenze zu retten. Brosch begann auch in der neuen Heimat, dem Fran-kenland - er kam nach Bad Windsheim - gleich wieder mit dem Suchen nach noch nicht bekanntem und noch nicht aufgezeichnetem Volksgut.

Bis zu seinem Tode, er starb 1970 im 85. Lebensjahr, war er rastlos tätig. Zahlreiche Ehrungen wurden ihm noch zu Lebzeiten zuteil. Kopien seiner Aufzeichnungen gingen nach Prag, später auch nach Freiburg ins Deutsche Volksliederarchiv. Die Originale samt seiner volkskundlichen Bibliothek kamen als Leihgabe ins Bezirksmuseum Buchen, wo sie weiter betreut werden.

Die letzte Zählung Broschs verzeichnete 12 711 Lieder. Dazu kommen eine fast ebenso große Zahl von Märchen, Sagen, Vierzeilern, Albumversen, Sprüchen, Sprichwörtern, Inschriften, Bauern- und Wetterregeln.

Helmut Brosch

 
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