Mittwoch, 12.12.2018









Gemälde und Grafiken:

Hollerbacher Malerkolonie

„Im Jahre 1905 hatten die Künstlerkolonien von Worpsprede, Dachau und Darmstadt bereits eine Würdigung erhalten und waren einem breiten Publikum bekannt. In Grötzingen, ganz in der Nähe von Karlsruhe, dem Studienort der „Hollerbacher“, arbeiteten seit 1870  sieben Künstler in einer Kolonie zusammen.“
(Michael Sieber)


Hollerbach (Ortsteil von Buchen). Heute haben wir diesen Ort als Begriff vereinnahmt und schwärmen von der „Malerkolonie“, vom „Refugium wilder Freiheit“. Dabei ist dieses Dorf mehr zufällig zum Domizil einer Gruppe von Malern geworden, zu einer Künstlerkolonie. (M.Sieber)

Der Begriff Künstlerkolonie wird heute „auf solche vorwiegend ländliche Orte oder begrenzbare Landschaften angewandt, in denen sich mehrere bildende Künstler entweder für längere Zeit freiwillig niedergelassen haben oder in die sie zu wiederholten Malen zum Zwecke künstlerischer Tätigkeiten zurückgekehrt sind“. (Gerhard Wietek)


Bis auf eine Ausnahme studierten alle Künstler bei Professor Wilhelm Trübner an der Kunstakademie Karlsruhe.

Die Künstler der Hollerbacher Malerkolonie in alphabetischer Reihenfolge:


Harold C. Bruntsch

Der Deutsch-Amerikaner Bruntsch wurde am 16.7.1891 und verstarb am 15.11.1959 in San Francisco. Er kam 1911 zum ersten Mal nach Hollerbach. Von Bruntsch  besitzt das Bezirksmuseum keine Arbeit.


Rudolph Wilhelm Burckhardt-Kestner

Burckhard wurde am 10. Juli 1888 in Basel geboren. Ab 1908 studierte in Karlsruhe bei Walter Georgi und Wilhelm Trübner. Sein erster Aufenthalt in Hollerbach war 1909. Zusammen mit Arthur Grimm unternahm er 1910 eine Studienreise durch die Schweiz. Er verstarb 1974 bei Lausanne.

Im Januar 2013 konnte das Bezirksmuseum bei einem Münchner Auktionshaus ein Bild von Burckhardt erwerben. „Madonna mit Annemonen“„Mehr liebvoll nachschaffend als spontan künstlerisch gestaltend wirkt Diese Kunst ruhig, Harmonisch, gepflegt, ohne je ins Konventionelle oder Süßliche zu verfallen. Bei aller Anerkennung dieser Vorzüge möchte man ihr etwas mehr Verlebendigung wünschen“ aus Kunst in Lausanne.


Waldemar Coste

Coste wurde am 27. Mai 1887 in Kiel geboren. Ab 1904 war er Schüler von Professor Eggersdörfer an der Kunstakademie Städel in Frankfurt. Im Jahre 1908 wechselte an die Kunstakademie Karlsruhe zu Wilhelm Trübner. In diese Zeit fielen auch die ersten Aufenthalte in Hollerbach. Studienreisen nach Spanien und Dänemark folgten. Er verstarb am 27.Februar 1944 in Glinde
bei Hamburg.

Im Dezember 2011 erwarb das Bezirksmuseum ein großformatiges Gemälde Costes aus dem Jahre 1914 von einem Berliner Anwalt und Notar.

„Coste ist kein verspielter Kolorist, auch kein Impressionist mit zerfließenden Stimmungsfarben, aber ein Maler, der sich der Werte der Farben und elementaren Töne bewusst ist“.
Aus: Frankfurter Volksblatt 17.3.1939


Arthur Grimm

Am 11. Februar 1883 wurde Grimm in Mudau im Odenwald  geboren. Schon immer wollte er Maler werden. Ab 1900 besuchte er die Kunstgewerbeschule in Karlruhe und machte 1903 das Badische Zeichenlehrerexamen. 1904 erhielt er eine Anstellung als Zeichenlehrer in Waldshut. Bereits im Jahre 1905 lernt er Franz Wallischeck in Hollerbach kennen. Ab 1906 studiert er an
Kunstakademie Karlsruhe bei Wilhelm Trübner und Ludwig Schmid-Reutte.

Studienreisen führten nach Paris, die Schweiz, Italien und Südfrankreich. 1913 Eheschließung mit Stephanie Brenner. Sein ständiger Wohnsitz wird Baden-Baden. 1931 kehrt er in den Odenwald zurück. 1932 wird er mit dem Badischen Staatspreis ausgezeichnet. Ab 1934 wohnt Grimm in einem Waldhaus in Mudau, wo er am 23. Februar 1948 verstarb.

„Grimm ist einer der besten Trübnerschüler, was ihn lange belastete. Es gab ihm die Fähigkeit, mehr zu können als die meisten modernen Maler. Sein unruhiges Temperament blieb nicht im breiten Strich des Meisters, sondern suchte seinen eigenen Stil. Dieser ausgezeichnete Maler steht bei einer eigenen Handschrift, die zwischen den französischen Landschaftern und Beckmann liegt. Das heißt zwischen lockerer Peinture und harten Portraits, zwischen Bauer und Weltmann, kurz vollkommen badisch in modernem Sinn.“
Aus: Cicerone, Nr. 16, 1924


Wilhelm Gunthermann

Guntermann stammt aus Bensheim an der Bergstraße wo er am 19.03.1887 auf die Welt kam. In das Jahr 1907 fällt sein erster Aufenthalt in Hollerbach. In den Jahren 1909-1916 studiert er wie Grimm bei Ludwig Schmid-Reutte und Wilhelm Trübner. Von 1914-1929 hat er seinen ständigen Wohnsitz in Hollerbach. Zwischen 1929 und 1939 macht er Studienreisen nach Italien, Holland, Belgien und Frankreich. 1939 zieht er nach Bad König um. !976 ist er am 23. November in Darmstadt gestorben.

„Wilhelm Guntermann ist in seiner aus langer Erfahrung gebildeten Ansicht so kompromisslos wie er es auch sich und seiner Kunst gegenüber immer war. Er haßt Snobismus, Imitation und als Kunst verkaufte Dekorationen. Für ihn war noch nie, was en voque ist, automatisch als gültig abgestempelt. Sein künstlerischer Schwerpunkt liegt zu tief unter der Oberfläche, als dass er ihn der jeweiligen Mode einen  billigen Tribut zahlen lässt. Wilhelm Gunthermann hat die Beachtung der Kunstwelt wahrhaft verdient.“
Hans Schweizer in: Heidelberger Tageblatt vom 20.6.1960


Ejner Quaade

Der Trübnerschüler Quaade wurde 1885 in Horsens, Dänemark, geboren. Es ist bekannt, dass er ab 1910 sich immer wieder in Hollerbach aufgehalten hat. Mit Waldemar Coste unternimmt er 1925 eine Studienreise durch Dänemark. Quaade ist am 6.November in Silkeborg, Dänemark, gestorben. Das Bezirksmuseum Buchen hat 1987 die Gelegenheit für seine Gemäldesammlung ein Gemälde von Ejner Quaade anzukaufen. Das Ölgemälde in der Größe 90x70 cm zeigt in den für Quaade typischen grau-grün Tönen eine Landschaft, wie man sie um Hollerbach herum antrifft.


Franz Wallischeck

Franz Wallischeck ist am 3.Dezember 1865 In Wiesloch bei Heidelberg geboren. Nach dem Studium an der Kunstgewerbeschule in München, studierte er ab 1890 an der Kunstakademie Karlsruhe bei Caspar Ritter, Claus Meyer, und Leopold von Kalkreuth. Er ist der einzige Künstler der Hollerbacher Malerkolonie, der nicht  Schüler von Wilhelm Trübner war. 1897 erhielt Wallischeck den Auftrag von der Gemeinde Mudau, die Kirche auszumalen. Als passionierter Jäger pachtete er die Jagd um Hollerbach und nimmt dort seinen Wohnsitz. Somit wird er der „erste Hollerbacher“.

1905 lernen sich Franz Wallischeck und Arthur Grimm in Hollerbach kennen. Wallischeck ist am 23. Februar 1941 in Karlsruhe gestorben.

„In lichtere, konkretere Freudigkeit taucht Franz Wallischeck seine stimmungsvollen Landschaften, während sein toter Hase an die Waldstillleben Trübners anknüpft. Wie denn bei der meisten Arbeit irgendein bestimmtes Vorbild des Lehrers durchschimmert, ohne jedoch die Selbständigkeit allzu sehr zu gefährden“
Aus: Augsburger Postzeitung vom 27.2.1912

„Am selbständigsten ist heute schon Wallischeck, der allerdings vielleicht noch am meisten
lernen muß.“

Aus: Münchner Zeitung vom 28.2.1912

 

 
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