Mittwoch, 12.12.2018


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Fernand Semma

02.07.2018
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Ausstellung eines Buchener Künstlers

Die Dauerausstellung “Fernand Semma" im Dachgeschoss im Trunzerhauses des Buchener Bezirkmuseums wurde am 12.12.2015 eröffnet und beherbergt bildhauerische Werke des Buchener Künstlers. Dokumentationsmaterial und Werke stammen aus der Sammlung des Vereins Bezirksmuseum e. V. Buchen, welche die älteste Tochter des Bildhauers, Isabelle Semma, seit 2013 aufbaut.
Die Museumsversion des Dokumentarfilmes “Fernand Semma - Die Stille ist der Unruhe Herr” (Regie: David Grimaud, 2015) vermittelt den Besuchern die Biographie und kunsthistorische Einordnung seines Schaffens.
Als freischaffender Künstler und Bildhauer wurde er bekannt und wirkte von 1982-1999 in Buchen (Odenwald). Er war ein Schüler von Philipp Mendler, der bei Hans Wimmers, des ehemaligen Lehrstuhlinhabers für Bildhauerei an der Kunstakademie Nürnberg studierte. In den Jahren 1987-1993 entwickelte Fernand Semma eine klare künstlerische Formsprache. Es entstanden vorwiegend kleinere Skulpturen, Figuren und Reliefs mit reduzierter und schlanker Silhouette, sowie thematisch begleitende Zeichnungen und lyrische Werke. Das Oeuvre von Fernand Semma ist der Konzeptkunst zuzuordnen und in der Individuellen Mythologie verankert. Er realisierte zahlreiche Bildhauer-Symposien, Ausstellungen und erhielt Auszeichnungen für seine Werke.

Leben
Fernand Semma war der Sohn von Anna Rosa Semma und Henry Maylard.Seinen Vater sollte er Zeit seines Lebens nicht kennenlernen, da dieser nach den Kriegswirren zurück nach Frankreich kehrte. Seine Mutter Anna Rosa Semma ließ ihn in dem Glauben aufwachsen von adligem Geschlecht zu sein, da die Vermutung naheliegt, dass seine Ahnenlinie in den Familienzweig von Franz Hubert von Tiele-Winkler zurück zu verfolgen ist. Diese beiden Aspekte prägten sein späteres Künstlerdasein immens.
Geboren im Hotel Schwert in Rastatt, verbrachte er seine ersten zwei Lebensjahre, untergebracht bei einer Pflegefamilie, in der Nähe seiner Verwandten in Plieningen.Anna Rosa Semma konnte sich finanziell erholen und baute sich mit ihrem Sohn ein Leben im nordbadischen Odenwald auf, wo sie 1956 Ferdinand Köppen heiratete. Fernand Semma wurde in Hardheim eingeschult und erlernte dort zunächst einer Bäckerei das Handwerk des Bäckers. Darauf folgend absolvierte er den Wehrdienst und verbrachte anschließend mehrere Gesellenjahre im Elsass, wo er sich als Konditor weiterbildete.
1971 heiratete Fernand Semma die aus Königheim stammende Elisabeth Semma (geb. Bauer) und gründete eine Familie. Am 17.08.1972, nach der Geburt seiner ersten Tochter Nicole- Isabelle Semma erlitt Fernand Semma eine Mehlstauballergie, von der er sich nicht mehr erholten konnte. Er sattelte um und arbeitete fortan als Sanitäter beim Roten Kreuz in Bad Mergentheim. In dieser Stadt wurde am 06.02.1975 sein erster Sohn André Semma geboren. Von 1976-1979 realisierte Fernand Semma eine Umschulung zum Holzbildhauer und machte somit sein Hobby zum Beruf. Seine erste Vernissage mit dem Titel "Burgen" realisierte er schon als Autodidakt 1973 in der Volksbank in Bad
Mergentheim. Mit den für diese Ausstellung entstandenen Miniaturburgen, welche ursrünglich als Spielzeuge für seine Kinder gedacht waren, bewarb er sich bei Philipp Mendler an der Staatliche Berufsfachschule für Bildhauerei – Rhön, wo er mit 35 Jahren als ältester Schüler seines Jahrgangs die Ausbildung zum Holzbildhauer und Fassmaler absolvierte. Aus organisatorischen und räumlichen Gründen beschloss die junge Familie Semma ihren Wohnort nach Hardheim zu verlegen. In der Inselgasse 8 gründete Fernand Semma sein erstes "Atelier Chateauneuf". Den Namen seiner Wirkungsstätte lehnte er an seinen französischen Wurzeln und den Anfängen seiner Kunst an. Am 06.01.1979 bekam die Familie erneut durch Caroliné Josefa Inna Semma Zuwachs, die in Hardheim zur Welt kam. Fünf Jahre später, am 08.02.1984, wurde auch der jüngste Sohn Philippé-Fernand Semma in Hardheim geboren. 1980 folgte Fernand Semma der Einladung von Josef Frank, dem damaligen Bürgermeisters der Stadt Buchen und restaurierte eines der ältesten Fachwerkhäuser. 1982 zog die Familie Semma in das historische Gebäude ein, welches auch heute noch das Stadtbild prägt. Im neuen Anbau richtete Fernand Semma sein Atelier Chateauneuf I, mit Blick in den Stadtgraben ein und arbeitete dort bis
zu seinem Lebensende. Er erhielt 1984 eine Auszeichnung für "Beispielhaftes Bauen" von der Architektenkammer. 1984 berichtete das ZDF über Fernand Semma. Er organisierte vielfach Bildhauersymposien. Nationale und internationale Ausstellungen und häufige Aufträge waren die Folge.1985 wurde er von der amerikanischen Autorin Erika Hartmann beauftragt die Totenmaske für Dr.Johannes Gall – Mahler, den unehelichen Sohn des berühmten österreichischen Komponisten Gustav Mahler umzusetzen. Sein Werk "Objekt Wasser" sorgte 1985/1986 in Buchen und in der
nationalen Presse, sowie in der Kunstszene für Diskussionen. 1987 nach den Polemiken um das "Objekt Wasser" und einem damit verbundenen Nervenzusammenbruch stand Fernand Semma dem plötzlichen Tod seiner Mutter gegenüber. Während der Wohnungsauflösung seiner Mutter entdeckte Fernand Semma durch Zufall die Ahnentafel und Ariernachweise seiner Familie, welche bis in das Jahr 1756 zurück auch seine die ostpreußischen Wurzeln aufwies. Der Künstler begann mit seiner Ahnenforschung und thematisierte diesen Einfluss in seinen darauf folgenden Werken. Ursprünglich war das kleine Häuschen in der Mühltalstraße 10 in Buchen zur Unterbringung seiner Schüler gedacht, die er in den Jahren 1983-1985 unterrichtete, jedoch richtete er sich 1988 dort sein zweites Atelier „Chateauneuf II“ ein. Am
Eingangsportal ist auch heute noch ein Relief mit der Inschrift „Die Stille ist der Unruhe Herr“ zu finden. Fernand Semma widmete sich ab 1987 ausschließlich und für den Rest seines Lebens seiner freien Kunst.
Im Jahr 1991 wurde seine erste Ehe geschieden und er erlitt einen Schlaganfall, von dem er sich bis 1993 weitgehend erholen konnte. 1991/1992 setzte Fernand Semma einen Auftrag für die Liberale jüdische Gemeinde Giesen um, wo er den Toraschrein gestaltete.Seine damalige Lebenspartnerin Dr. Juliane Lensch, die ihn 1991-1994
begleitete, widmete sich geisteswissenschaftlich der Klezmermusik. Dieser Einfluss bestärkte Fernand Semma darin, seinen jüdischen Ahnen nachzuspüren und letztlich zum Judentum zu konvertieren. 1995 ging Fernand Semma mit Dr. Claudia Assimus seine zweite Ehe ein. Ihm wurde im August 1999 Lungenkrebs diagnostiziert und er verstarb im darauffolgenden Oktober in der Kopfklinik in Heidelberg. Im selben Jahr, am 27.02.1999, kam seine dritte Tochter Naomi Elena Fernette Semma in Buchen zur Welt.
Zu Lebzeiten gestaltete der Bildhauer sein Haus im Buchener Mühltal zu einem Gesamtkunstwerk um und hinterließ ein breites Oeuvre, welches heute vorwiegend in Privatbesitz zu finden ist. Zahlreiche seiner Werke sind aber auch im öffentlichen Besitz zu finden. Neben dem Bezirksmuseum Buchen, dem Museum Ritter, ist hier das Land Baden-Württemberg und Kirchberg a.d.Jagst zu erwähnen. Ein breites Spektrum seiner Werke ist in im „Fernand Semma-Parcours“ der Stadt Buchen verankert. Das Blockhaus am Buchener Waldschwimmbad, welches Fernand Semma 1999 für seinen Esel Caruso fertig stellte und dieses somit sein letztes Werk darstellt, wie auch das historische Haus der Familie Semma und das Häuschen in der Buchener Mühltalstrasse sind hier
erwähnenswert.

Einzelnachweise
Eröffnung der Dauerausstellung im Bezirksmuseum Buchen (Dokumentation:Isabelle Semma)
„Fernand Semma – Die Stille ist der Unruhe Herr“, Dokumentarfilm 2015 (Regie: David Grimaud)
Ist Stand-Ausstellung / Fernand Semma-Stadtführung, 2014/2015 Kulturbüro Buchen (Kunsthistorikerin: Magdalena Donczyk)
"Kunst ist ein Teil von mir", Ausstellung von Ingolf Jännsch, Kunstverein Neckar Odenwald
„Historische Aufnahmen – Symposium 1987 und 1988“, Dokumentarfilm (Ingmar Jännsch, 1989)

Literatur
„Klezmer – Von den Wurzeln in Osteurope zum musikalischen Patchwork in der USA“, (2009, Dr.
Juliane Lensch)
"Unter meinen Händen schlägt es Feuer" (2002, Dr.Claudia Assimus)



 
 
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